V O R S P I E L
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ERSTE SZENE

Hymnen der Nacht
                                     
 

Ein großes, verzweigtes und vielfach verästeltes Gerüst, dessen Vielschichtigkeit durch verbindende Leitern, Brücken, gefährliche Stege, aber auch Schluchten und andere Hindernisse mühsam organisiert scheint.

Unablässig sind Menschen, Tiere und Maschinen beschäftigt, diesen unüberblickbaren und aus vielerlei Material zusammengepreßten Knäuel zu reparieren, zu verbessern, aber auch zu sabotieren und zu vernichten.

Im Innern des Weltengerüstes erkennen wir die vielschichtige Struktur menschlichen Daseins, seiner Tragik und seiner Größe. Vor unseren Augen zeigt sich eine Welt des Werdens und Vergehens: die Welt als „gestern“ – „heute“ – „morgen“, menschliches Wachsen, menschliche Entartung – Individuen, Familien, ganze Völkerstämme umfassend.

Hier lebt der eine in der Steinzeit, sein Nachbar in der Blütezeit religiösen und philosophischen Strebens, ein Dritter verschreibt sich ganz einer Romantik aus Technik und der darangehängten Ideologie. Einzelne beginnen, sich den natürlichen Harmoniegesetzen des Lebens zuzuwenden.
Hier demonstrieren sich menschlicher Geist und menschliche Tat neben menschlicher Ohnmacht und menschlichem Versagen.

In dieser Szene ist all das eingefangen, wofür der Mensch in der Zeit der Dunkelheit sein Leben einsetzte, wofür er arbeitete, wonach er strebte; hier offenbart der Mensch größte Unwissenheit über den Sinn seines Lebens: alles das eingefangen im Alltag jener Welt.
Hier zeigt sich aber auch schon das Keimen jener Naturkräfte, welche die Harmonie des Menschen mit sich selbst und mit seiner Umwelt stärken.

Und das gesamte Geschehen wird durch einen im Mittelpunkte stehenden Computer, den scheinbar wirkungsvollsten Geist jener Zeit, in der Veränderung emporgehalten, kontrolliert und korrigiert: veredelt.
Beinahe alle dienen seiner technischen Perfektionierung, vertrauen auf seine Angaben und führen seine Anweisungen aus.

Der Computer steht ewig gleichmütig dem Treiben auf dem farblosen Weltplatz gegenüber: er liefert Ergebnisse, er kennt nicht Krankheit, Tod und Schmerz, er schimpft nicht, lächelt nicht, ist sachlich, schnell, präzise, speziell und allgemein – er ist umfassend.

Und alle haben eins gemeinsam: versuchen.

 
                                     
                                     
                                     
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©   A A R   E D I T I O N   I N T E R N A T I O N A L   1969

 

 
 
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PETER HÜBNER
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PETER HÜBNER  ·  GESANG DES LEBENS